Nächste Termine
01.06.2012 - 03.06.2012Henri Avril (6. Dan)
AIKI-KAI ZÜRICH
23.06.2012 - 24.06.2012Yoshimitsu Yamada (8. Dan)
Budokan Lausanne Aïkido Club
AIKI-KAI ZÜRICH
Hardturmstrasse 169
CH-8005 Zürich
Tel 044 272 54 34
info[at]aikikai-zuerich.ch
Mitglied der FSA/SAF
Aikido ist Budo
"Aikido ist Budo" ...
... steht auf unserer neuen Homepage unter "Was ist Aikido?". Nun hat mich Walter gebeten auszuführen, was das bedeutet. Gewiss gibt es Experten mit grösserer Sachkompetenz, bestimmt gibt es auch unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Ich hoffe, dass Euch meine Gedanken dazu anregen mehr über das Thema erfahren zu wollen, beim Üben auf der Matte bewusst Schwerpunkte zu setzen und das auf der Matte Geübte im Alltag anzuwenden.
Budo wird zu Deutsch oft mit "Kampfkunst" übersetzt, bedeutet aber genau genommen "Kriegsweg" oder "kriegerischer Weg" [1]. Dabei steht "Bu" für Krieg, "Do" für den Weg, den es im Leben zu folgen gilt. Die Bedeutung des Begriffes Budo hat sich über die Zeit verändert. In China umfasste Budo ursprünglich militärische und zivile Aspekte der Regierungsverwaltung und setzte ein Gleichgewicht zwischen akademischer und kriegerischer Ausbildung voraus. Auch in Japan wurde Budo zunächst so interpretiert, nach der Kamakura Periode (also nach 1336) aber zunehmend der Herrschaft über die Nation mit Waffengewalt gleichgesetzt [4].
Als individuelle Übungsform unterscheidet sich klassisches Budo grundlegend vom historisch älteren Konzept des klassischen Bujutsu (zu deutsch "Kriegskunst" oder "kriegerische Kunst"). Klassisches Bujutsu fokussierte auf effektive Kampftechnik und -fertigkeit im militärischen Sinn und setzte Disziplin und Moral an zweite und dritte Stelle. Klassisches Budo hingegen entstand in einer Zeit des Friedens (Edo-Periode, erste Hälfte des 17. Jahrhunderts) und betonte den inneren Weg. Diese Do-Formen wurden als Hilfsmittel "gebaut", um das menschliche Wesen zu reflektieren, die Natur zu erkennen und sich selbst zu verändern. Ziel war es die innere Ruhe und emotionale Stabilität zu finden und das Ego aufzugeben. Klassisches Budo war deshalb als Methode der Selbstkultivierung und -perfektionierung gedacht und nicht primär auf Selbstverteidigung ausgerichtet [4].
Die klare Unterscheidung zwischen klassischem Budo und Bujutsu wurde nach der politischen Öffnung Japans in der Meiji-Periode (nach 1868) stark verwässert. Die Gründerväter der Meiji-Renovation erkannten einerseits, dass westliche "Technologien" insbesondere im Kriegshandwerk den eigenen weit überlegen waren und anderseits, dass Budo und Bujutsu zum Aufbau einer nationalen Identität verwendet werden konnte. Die klassischen Disziplinen wurden in den Hintergrund gedrängt und durch den Begriff "Shin Budo" (neues Budo) ersetzt, wobei der martialische Aspekt weitgehend verloren ging [5]. Die Entwicklung der modernen aus den klassischen Disziplinen passierte auf technischer und nicht geistig-inhaltlicher Ebene. Modernes Bujutsu wurde - als Ergänzung zu fortschrittlicheren, westlichen Ansätzen - für die Durchsetzung von Ruhe und Ordnung durch Polizei und offizielle, zivile Sicherheitsorgane entwickelt, und für den Nahkampf beim Militär. Heute gibt es im modernen Bujutsu sowohl waffenlose Disziplinen als auch Systeme mit Waffen, bei beiden steht die praktische Effektivität klar im Vordergrund. Modernes Budo - und hierunter fallen auch Karatedo, Judo, Kendo und Aikido - wurde gemäss Draeger [5] zu einem Sammeltopf für "spirituelles Training und religiösen Kultismus, Formen der physischen Übung und Entwicklung, Methoden der individuellen Selbstverteidigung für den alltäglichen Gebrauch, athletische Aktivitäten, Freizeitsgestaltung und Sport". Bekannt wurden im Westen vor allem die sport- und leistungs-orientierte Disziplinen Judo, Karate und Kendo, deren innerer Weg bei uns weitgehend in Vergessenheit zu geraten droht.
Zurück zum Ausgangspunkt, kann sicher festgehalten werden, dass Aikido eine Art des modernen Budo darstellt. Bei genauer Betrachtung habe ich den Eindruck, dass Aikido auch klare Bezüge zu den klassischen Disziplinen hat:
O'Sensei bezeichnete seine Kunst zwischen 1925 und 1941 als Aiki-Budo oder zuweilen als Aiki-Jujutsu und Budo ist auch im Titel seiner einzigen Bücher erschienen 1933 ("Budo Renshu") und 1938 ("Budo") [6]. O'Sensei war fest in der japanischen Tradition des Bujutsu verwurzelt und studierte in jungen Jahren verschiedene Formen des Jujutsu, namentlich des Tenjin Shin'yo Ryu, Yagyu Shinkage Ryu, Shinkage Ryu, Kito Ryu, Aioi Ryu, Daito Ryu, Speerkunst des Hozoin Ryu und Kendo. Sein Aiki-Budo zu jener Zeit war auf praktische Selbstverteidigung ausgerichtet und so fungierte er bis in die 1940er Jahre auch verschiedentlich als Ausbildner von Polizei- und Armeeeinheiten. Interessant war die anfängliche Motivation von O'Sensei sich im Budo und Bujutsu weiterzuentwickeln [7]: "Aber alle diese Künste befassen sich mit reinen Zweikampf-Formen und konnten mich nicht zufrieden stellen. Also besuchte ich viele Teile des Landes auf der Suche nach dem Weg ... aber alles umsonst." Noch heute werden im Aikido neben dem "Zweikampf" auch gleichzeitige Angriffe mehrerer Personen und Angriffe mit verschiedenen Waffen (Tanto, Bokken, Jo) praktiziert. Solche integrale Systeme sind für klassische Disziplinen typisch, in den modernen Arten des Budo aber eher selten vertreten. Ebenso wie in den klassischen Disziplinen, kennt Aikido keine sportliche Spezialisierung und keine Wettkämpfe.
Den Begriff "Aikido" verwendete O'Sensei erst nach 1941 und laut seinen eigenen Angaben ergründete O'Sensei den wahren Geist des Aikido erst um etwa 1950. Nachdem er im Weltkrieg Kampfkünste gelehrt hatte, um andere Soldaten im Krieg zu töten [7], machte er fortan "Schutz und die Liebe aller Dinge" zu seiner obersten Aufgabe und nannte Aikido das "Budo der Liebe" [2]. Über den Geist des Budo schreibt er: "Die Erfüllung dieser Aufgabe muß das wahre Budo sein. Wahres Budo bedeutet Sieg über sich selbst und Ausmerzung des kämpferischen Herzens des Feindes" [7]. Damit verwirklichte er "Budo" in seinem ursprünglichen Sinn, denn das Wort "Bu" basiert gemäss Saotome Sensei [2] und Taisen Deshimaru-Roshi [3] auf Schriftzeichen deren Bedeutung "den Speer aufhalten", "den Kampf anhalten" sind. O'Sensei geflügelte Worte waren "masakatsu agatsu", d.h. "der wahre Sieg ist der Sieg über sich selbst". So gibt es denn im Aikido auch keinen äusseren Gegner, keine Gedanken von Sieg oder Niederlage, und jede gewalttätige Situation wird mit einem Minimum an Kraft und mit Rücksichtnahme auf den Angreifenden gelöst. So betrachtet wird klar, dass Aikido uns neben der äusseren Form vor allen Dingen auch einen inneren Weg bietet, welcher es uns ermöglicht unser eigenes Wesen zu reflektieren. Im Aikido kommen Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Hintergründen und Visionen zusammen, um zu üben und sich gegenseitig zu befruchten, sich selber kennenzulernen mit der Bereitschaft sich selber zu verändern. In diesem Sinn ist für mich Aikido Budo!
___________________________________________
Referenzen
[1] Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Budo
[2] Erinnerungen an O-Sensei. Leben und üben mit Morihei Ueshiba, dem Begründer des Aikido. S. Perry (2008). Joy Verlag. ISBN 978-3-928554-66-4
[3] Zen in den Kampfkünsten Japans. Taisen Deshimaru-Roshi (1978). Kristkeitz Verlag. ISBN 3-921508-04-5
[4] Classical Budo - Martial Arts & Ways of Japan Series, Vol 2. D.F.Draeger (1996). Weatherhill. ISBN 0-8348-0234-1, Seite 22-40
[5] Modern Bujutsu & Budo - Martial Arts and Ways of Japan, Vol 3. D.F.Draeger (1996). Weatherhill. ISBN 0-8348-0351-8, Seite 55 ff
[6] Budo: Teachings of the Founder of Aikido. M. Ueshiba. Kodansha International. ISBN 4.7700-2070-8
[7] www.ufa-aikido.de/o-sensei/interview.php. Interview mit Ueshiba Morihei und Ueshiba Kisshomaru, erschienen in "Aikido" von Kisshomaru Ueshiba, Tokyo, 1957, S. 198-219. Übersetzung aus dem Japanischen stammt von Stanley Pranin und Katsuaki Terasawa.
O Sensei Ueshiba Morihei (1883-1969), Begründer des Aikido
Aikido ist die jüngste der japanischen Kampfkünste deren Prinzipien vom Begründer, Morihei Ueshiba (1883-1969), vor Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckt wurden. Die im Aikido enthaltenen Prinzipien stellen eine Synthese der Grundlagen verschiedener traditioneller japanischer Kampfkünste der Samurai-Zeit dar. Tatsächlich finden sich viele der Aikido-Techniken in ähnlicher Form in mehreren Schulen des Ju-Jutsu wieder und leiten sich von der Schwert-, Stock- oder Lanzenkunst ab.
Vor dem zweiten Weltkrieg blieb der Aikido-Unterricht durch O Sensei Ueshiba Morihei einer kleinen Elite von Kampfkunst-Experten, Edelleuten und Militärkader vorbehalten. Das Praktizieren der Kampfkünste (Budo) war in Japan nach dem zweiten Weltkrieg für einige Zeit verboten, ab 1948 wurde Aikido dann mit Wiederaufnahme des Studiums der Kampfkünste zunehmend populärer und verbreitete sich sukzessive in der ganzen Welt.
Was unterscheidet Aikido von den bei uns besser bekannten Kampfsportarten Judo und Karate? Wie der Name bereits sagt, stellen Judo und Karate Disziplinen mit stark sportlichem Charakter und strikten Wettkampf-Regeln dar. Aikido schliesst jedoch jegliche Vorstellung eines Wettkampfes aus und bleibt eine Kampfkunst. Dabei wird im Aikido die Aggressivität des Angriffes neutralisiert und der Angreifer von der Sinnlosigkeit seines Handelns überzeugt. Aikido hat somit neben dem physischen auch einen hohen moralisch-philosophischen Anspruch und erlaubt es sich selber kennenzulernen und sich körperlich und mental zu beherrschen.









